TuS Koblenz besiegt Angstgegner Wehen

Am vergangenen Freitag stand mal wieder eine Auswärtsfahrt auf dem Programm.
Nach dem doch eher bescheidenen 0:0 Unendschieden gegen Paderborn war heute die Mannschaft des SV Wehen der Gegner der TuS. Verlor man die letzten beiden Aufeinandertreffen in der Aufstiegssaison (1:6 in Wehen, 1:2 auf dem Oberwerth), so gelang der Mannschaft am Freitag der so ersehnte und, bezogen auf die aktuelle Saison, so wichtige Sieg!

Die erste Hälfte war ein Gekicke, welches nach verpassten Chancen auf beiden Seiten mit einem, in meinen Augen gerechten 0:0 in die Halbzeitpause geschickt wurde.
Zu Hälfte zwei kann ich nicht viel sagen. Ich habe die Tore der Joker Kenan Sahin und Du-Ri Cha gesehen und somit den 2:0 Sieg der TuS. Einen großen Teil der Halbzeit verbrachte ich mit den Händen an der Wand und ohne Personalausweis in einer Gruppe höchstmotivierter Polizisten.

Was war passiert?

Zu Beginn des Spiels wurden im Koblenzer Block, um genau zu sein in Block S17 Rauchbomben und sogenannte Bengalos gezündet.

Ich bin und war schon immer gegen so pyromanischen Kram. Nicht weil ich Angst vor Atemwegsverstopfung und Co. habe, sondern einfach weil ich die Konsequenzen kenne.
Faktisch weiß ich nich mal, wie man so ein Ding anmacht und auch nicht wirklich, wie so ein Ding überhaupt aussieht.
Nunja, das schien aber generell mal egal zu sein. Jedenfalls der hessischen Polizei.
In der Halbzeitpause musste ich auf Toilette. Und ich musste nicht so mal kurz, sondern ich musste doch relativ dringend. Also fix raus aus dem Block und Wasser lassen.

Nichtsahnend vorbei an bereitstehenden Polizisten und … zack .. fand ich mich auch schon mit gespreizten Beinen an einem Container in Gewahrsam zweier Polizisten, weil ich so gefährlich bin. Klar, die machen auch nur ihre Arbeit, aber mein persönlicher Aufpasser war doch wohl etwas zu übermotiviert. Deeskalierend ist auf jeden Fall etwas anderes.

Ich ließ mich also kommentarlos durchsuchen und zwar so, als stände ich unter Verdacht einen Terroranschlag verüben zu wollen. Nun gut. Einfach schlucken und die Klappe halten. Etwa eine halbe Stunde später nach der Überprüfung der Personalien und einem Foto durfte ich wieder gehen, aber nicht ohne noch ein Statement meines Aufpassers.

Sinngemäß lautete dies wie folgt.

Wir haben nun ihre Personalien Herr Klaile, falls sie nochmals auffällig werden.

Gut, runterschlucken und dann erst mal … aufs Klo! Aaaaaaaaaah … danke.

Genau, ich musste nämlich einhalten. Auf höfliche Nachfrage, ob ich nicht in Begleitung eines Polizisten kurz den Toilettencontainer benutzen dürfte, um den durchaus vorhandenen Druck etwas zu mildern, erhielt ich die höfliche Antwort eines in der Nähe stehenden Polizisten

Dann piss dich halt voll.

Nachdem dann noch etwas an mir rumgedrückt wurde, wäre das auch durchaus möglich gewesen, aber man will ja nicht auffällig werden und der Polizei einen Grund geben einen noch länger festzuhalten.
Faktisch hatte ich ja nichts gemacht. Was mich auf das obige Zitat bringt.

“Falls ich nochmals auffällig werde.”
Aha, was genau habe ich denn gemacht?

Ich kann es Euch, ich kann es allen – sogar unter Eid – sagen.
Ich habe eine Fahne geschwenkt, die sich öfters mal im Fangnetz vor dem Block verhakt hat. Ich habe ein kleines Banner am Zaun aufgehangen, welches dann auf Anordnung eines Ordners auch von nebenstehenden Koblenzern etwas tiefer gehängt wurde. Ich habe geschrien, angefeuert .. das ganze Programm halt.
Als links hinter mir ein Bengalo auf dem Boden lag und der Rauch emporquoll verdeckte ich meinen Kopf mit Kapuze und Fahne, da der Qualm doch recht intensiv war. Direkt vor mir, vor dem Zaun, stand dann irgendwann ein Polizist mit einer Stabkamera und filmte schön in mein Gesicht.

Fazit: Aha, da ist der Herr Klaile. Der böse Pyromane. Der böse, böse Koblenzer. Der steht da in der Nähe, DER WAR DAS AUF JEDEN FALL. Und der hat auch noch die passende Jacke an. Das Arschloch, der Idiot. Den ficken wir.

Wie schon erwähnt .. gesagt, getan. Und mir erging es noch gut. Es gibt durchaus auch Leute, die zu Unrecht stundenlang auf dem Wiesbadener Polizeirevier festsaßen (und letztlich mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt wurden!), so dass der größte Teil unserer Zugbesatzung erst kurz nach 1:00 Uhr über Mainz, da in Wiesbaden keine Züge mehr fuhren, in Koblenz ankam.

Wohin ist man gekommen, wenn man unter Generalverdacht stehend darauf achten muss, was man für Klamotten anhat? Ist ja nicht so, dass ich so Naziklamotten angehabt hätte. Der 0815-Leser mag es mit einem Polohemd eines Junggesellen- oder Burschenvereins vergleichen.
Ich habe in dieser Saison schon etwa 30 Spiele von Mannschaften der TuS Koblenz geschaut. Vom Profiteam bis hin zu der F-Jugend. Mir ging und geht es ausschließlich um die Mannschaften des Vereins, in dem ich Mitglied bin, dem ich treu bin.
Wie kann ich nun noch das tun, was ich gerne tun möchte? Lautstark in der Mitte des Pulks stehen und Fahnen schwenken, aktiv und dadurch natürlich auch gezwungenermaßen auffällig sein.
Aus Erfahrung kann man doch sagen, dass ich nun erstmal unter besonderer Beobachtung stehe. Einfach, weil man mich ja schon mal “erwischt” hat. Ich freue mich schon auf Aue … fuck, nä .. ich hab echt ein wenig Bammel, weil ich doch nichts gemacht habe und trotzdem kurz vor einer Strafe stehe, falls ich nochmals “auffällig” werde. Irgendwie eine einzige Ironie.

Ich bin in Wiesbaden ausschließlich wegen meiner Jacke kontrolliert worden. Dies behaupte ich, da ich während der Kontrolle gefragt worden bin

Ist das deine Jacke?

Am Rande. Es muss heißen “Ist das Ihre Jacke?”

Ich bejahte und wurde direkt darauffolgend gefragt

Hat jeder von Euch so eine Jacke?

Ich antwortete nicht. Was sollte ich auch antworten? Was haben den Jacken oder andere Zugehörigkeitssymbole mit Schuld zu tun?
Ich sage es nochmals .. ich bin doch nicht in einer terroristischen, politisch orientierten, gewalttätigen, … Gruppe organisiert. :-/

Nunja, ich könnte noch so viele Zitate bringen. Stellvertretend noch die folgende Situation.
TuS-Fan:

Mir ist kalt

Er hatte seine Jacke im Block liegen gelassen, weil er ja auch nicht vorhatte stundenlang draußen im T-Shirt an der Wand zu stehen.

Ich:

Kann ich ihm meine Jacke geben? Ich habe noch einen Pulli an.

Mein Aufpasser:

Er hat doch gerade gesagt, ihm ist nicht kalt!
[..]
Das müsst ihr euch vorher überlegen, bevor ihr so eine Scheiße macht.

Noch irgendwelche Fragen? Diese ganze Aktion war nur Schikane, da alle, die kontrolliert worden sind unschuldig waren und nichts mit dem Abbrennen der pyromatischen Gegenstände zu tun hatten. Das ist jedenfalls mein aktueller Kenntnisstand.

Ich bedauere natürlich, dass es zu Verletzungen kam. Das steht ja absolut außer Frage.
Nichtsdestotrotz finde ich das Auftreten der Polizei vor Ort (leider nicht) beispiellos. Die Polizei, dein Freund und Helfer. So lernte man es in der Grundschule. Man lernte, dass man, wenn etwas ganz Schlimmes passiert ist, zur Polizei gehen soll, da man dort Hilfe erfährt.

Das gilt für alle Menschen und ist sogar gesetzlich bestimmt. Aber in deutschen Fußballstadien scheint dieses Gesetz teilweise außer Kraft gesetzt zu werden. Im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung bin ich eigentlich sehr interessiert, wo die von mir aufgenommenen Daten nun hinwandern.

Ach, ich beende diesen Artikel hier und jetzt … ich bin einfach immer noch total erschüttert.

Ich will doch einfach nur Fußball schauen, Fußball leben … :(

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Kommentare

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