Koblenz entführt einen Punkt aus dem Erzgebirge
Am vergangenen Freitag ging es nach Aue zum Spiel der TuS Koblenz gegen den FC Erzgebirge Aue.
Nach der Tour nach Rostock in der letzten Saison, stand erneut eine Reise mit 7-Sitzern an.
Für mich hieß das um kurz nach 9 von Remagen aus in Richtung Koblenz zu fahren und dort eines der drei Autos in Empfang zu nehmen.
Gesagt getan und ab ging es in Richtung Treffpunkt in Koblenz. Dummerweise stand ich mit meinem Beifahrer schon im Stau bevor die Reise überhaupt begonnen hatte, da die B9 in Richtung Europabrücke ein einziger Klumpen mit Autos war.
Nunja, letztlich schafften wir es trotzdem zum Treffpunkt, um dort um 11:21 Uhr, 21 Minuten später als geplant, in Richtung Erzgebirge aufzubrechen.
Die Hinfahrt war durch den ein oder anderen kleineren Stau und durch anfangs zu viele Toilettenpausen geprägt. Ganz zu schweigen von klassischer Radiomusik und drei Schlager-Mix-CDs, aufgrund derer ich die Fahrt über lieber in meiner eigenen Welt vor mich hin fuhr, anstatt am regen Dummgelabere im Auto teilzunehmen. Aber nun gut, was will man machen.
Wir kamen passend zum Spiel um 17:45 Uhr auf dem Gästeparkplatz an und hatten so die Möglichkeit die durchaus “imposante” Rede des Auer Präsidenten Leonhardt mit anzuhören.
Tut mir Leid … aber ich habe mich gefühlt, als wäre Erich Honecker wieder auferstanden! Ist vielleicht etwas überspitzt, aber der Tonfall ging in meinen Augen ja mal gar nicht. Inhaltlich ging es darum, dass das Präsidium bzw. der Vorstand, von Leonhardt gerne und oft “die Führung” genannt, in der Winterpause analysieren will, wie man dem Verein aus dem Erzgebirge soweit helfen kann, dass die Zugehörigkeit zur zweiten Fußballbundesliga weiterhin gesichert werden kann.
Nunja, ich steh nicht auf so Kram, mir geht es um Fußball.
Also rein in Hälfte eins und .. *gäääähn … ohweia, was ein Spiel. Aue absolut desolat und Koblenzer zu passiv, um daraus Kapital schlagen zu können.
Mehr kann ich zu Hälfte eins nicht sagen, außer dass die Auer Anhänger zu Spielbeginn eine sehenswerte Choreografie abgespult haben.
In Halbzeit zwei eigentlich genau das gleiche Spiel. Koblenz zu passiv und Aue mit wenigen Chancen, die von unserem Torwart Dennis Eilhoff glänzend vereitelt wurden. Durch den Pfostenschuss von Ardian Djokaj in der Nachspielzeit hatte die TuS sogar noch die Chance auf drei Punkte, wobei das torlose Unendschieden in meinen Augen absolut leistungsgerecht war.
In diesem Sinne bin ich einfach zufrieden, dass wir einen Punkt mehr auf dem Konto haben und nun nach Beendigung des 16.Spieltags auf Platz 9 und 21 Punkten mit 5 Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz stehen.
Im Stadion, welches übrigens das beste Stadion ist, dass ich bislang in der zweiten Bundesliga, eventuell sogar überhaupt, besucht habe, gab es allerdings noch zwei Szenen, über die ich sprechen will.
Szene 1:
Einige Koblenzer riefen in der ersten Halbzeit sinngemäß etwas wie
40 Jahre DDR, …
Daraufhin schrie ich in ihre Richtung, dass man so etwas nicht singt und ich betitelte sie mit dem Begriff
Ihr Nullen
Daraufhin wurde ich von einem, in meinen Augen altbekannten Vollsuff, “angemacht” – habe ich an dieser Stelle kein besseres Wort für – was ich den wolle? Das ich ja nur im Internet die Klappe aufreißen könne, dass ich nicht den Mumm hätte, um Worten auch Taten folgen zu lassen, …
Ich musste mich als *piep beleidigen lassen und nur weil .. ja was eigentlich, he? Weil ich so viel Grips in der Birne habe, um zu kapieren, dass solche Gesänge unterste Schublade sind und schon gar nichts in einem Fußballstadion zu suchen haben?
Ich will an dieser Stelle nur aussagen, dass sogenannte “Krawallmacher” oder einfach nur Idioten, die nur betrunken und auf Stress mit anderen aus sind, nicht zwangsläufig aus etwas strikter organisierten Gruppen und Gruppierungen stammen müssen.
Szene 2:
Unglücklicherweise wurde eine Fahnenstange eines großen Schwenkers durch einen anderen Fan beschädigt. Ich hab die Situation nicht direkt mitbekommen, habe mich aber im Nachhinein informiert. Dumme Sache, so etwas darf nicht passieren, keine Frage.
Nun ist es aber so, dass der Geschädigte sich auch nicht gerade verhalten hat, wie ein Unschuldslamm und auch das möchte ich beschreiben.
Zunächst einmal ist es in Ordnung, wenn man erregt ist, wenn sein Eigentum kaputt ist. Nach einigem “Kuddelmuddel” und Diskussionen habe ich dann versucht das Problem mit dieser Person aus der Welt zu schaffen.
Grund dafür ist einfach, dass ich, wie schon beschrieben, Fahrer und somit nicht alkoholisiert und bei klarem Verstand war.
Was ich dann hören musste .. sorry, wo sind wir gelandet?
Der Geschädigte wollte 40 Euro für die Fahnenstange und versuchte mir zu erklären, dass er ja nun 80 Euro investieren musste.
Auf meine Nachfrage, wie er denn auf die Zahl 80 käme, bekam ich die sinngemäße Antwort
Na, 40 Euro für die Fahnenstange und nun muss ich ja nochmal 40 Euro investieren.
Aha. Also redeten wir von 40 Euro, aber bei ihm waren es wohl 80 Euro (klingt ja auch schon viel teurer).
Ich sagte dann wörtlich und bezogen auf die 80 Euro
Sorry, dass raff ich nicht.
und erhielt die Antwort
Ja klar, dafür seid ihr zu dumm.
Und hier wird es nun haarig.
Ich habe dem Mann 35 Euro gegeben, das war alles, was ich noch dabei hatte. Und warum? Damit er einfach nur die Klappe hält und sich ja nicht wagt irgendwelche Gerüchte, Unwahrheiten und Dummfug über immer wieder die gleichen Leute zu berichten. Er hat nun seine Kohle, ich seine – ach so beschädigte – Fahnenstange und “alles ist gut”.
Sind nun selbst die Fans so geldgeil, dass man sich untereinander wegen 40 Euro so anmacht?
Und nein, da ging es nicht nur um das Prinzip, da er sonst mein Geld nicht angenommen hätte!
Ich bin nicht reich und konnte mir das eigentlich auch nicht leisten. Ich habe einen 400 Euro-Job neben meinem Studium und habe schon Unmassen an Geld für die TuS ausgegeben. Wir haben zig Fahnen, die ständig kaputt sind und repariert werden müssen, ebenso wie das Banner. Es gibt Kosten für das Megafon, Trommeln bzw. die Stöcke, für Tapete, Farbe, Klebeband, ….
Exklusive der Kosten für die Auswärtsfahren und Eintrittskarten daheim.
Junge, da geht es nicht um beschissene 35 Euro pro Person, pro Saison. Da geht es eher um hohe dreistellige bis vierstellige Beträge. Je nach Person.
Das hat mich erschüttert. Der Mann hat viel Zeit und Herzblut und sicher auch viel Geld in seine Fahne investiert. Ist also völlig in Ordnung, dass er erzürnt ist. Dass man sich so einen, in meinen Augen lapidaren, Schaden dann aber bezahlen lässt, zeigt mir nur wie unterschiedlich doch die Einstellung zum Fußball und zum Sport an sich sein kann.
Vielleicht übertreibe ich in den Augen anderer, ich fand diese Situation einfach nur zum Kotzen!
Tut mir Leid.
Die Rückfahrt begann mit Regen und endete für mich nach gut 6 Stunden um 2:20 Uhr in Remagen, nachdem wir wirklich sehr gut durchgekommen waren.
War eine schöne Tour, wenn auch das Spiel an sich zum Vergessen war.
Für mich war es das letzte Spiel der Hinrunde, weil ich wie beim Spiel gegen Hoffenheim nicht im Stadion sein werde, wenn die TuS gegen Aachen antritt.
Zum Abschluss noch ein paar Bilder aus Aue.
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