Koblenz verweigert Kampf und verliert in München

Mittwoch, 17:30 Uhr. Es ist ein ganz normaler Arbeitstag und um diese Zeit würde man eigentlich gerade nach Hause fahren und es sich auf dem Sofa bequem machen. Aber aufgrund “diverser Gründe”, die niemand so ganz genau durchblickt, gab es in dieser Woche auch dienstags und mittwochs Zweitligafußball. So traf man sich um kurz vor 10:00 Uhr morgens am Koblenzer Hauptbahnhof, um sich auf die lange Reise in den Süden zu machen. Das Ziel war die *piiiep*-Arena, die Kommerzarena überhaupt. Man kann nur hoffen, dass der TSV 1860 München wider Erwarten aufsteigt und wir nicht mehr in diesen Konsumtempel müssen.

Nunja, langsam aber stetig arbeiteten wir uns über die A3 in Richtung München vor. Das Wetter war beschissen, es war klar, dass maximal 100 Koblenzer in München sein würden und aufgrund der Tatsache, dass die Münchner die letzten drei Partien gewonnen hatten, war auch der sportliche Erfolg des Spiels unsicher.
Als man auf dem Gelände der Arena ankam, gab es zunächst einmal einen Disput mit den “sehr freundlichen” Ordnern, die den Eingang zum Parkhaus “bewachten”, da wir eigentlich nicht ins Parkhaus wollten, sondern ein Parken auf dem eigentlichen “Fanbus-Parkplatz” abgeklärt hatten. Nach einigem Hin und Her fuhren wir in das Parkhaus hinein, um wieder heraus zu fahren, um wieder hineinzufahren. Gut, dass wir noch 15 Minuten bis zum Spiel hatten, also jetzt aber flott vom oberen Parkdeck runter ab in Richtung blaue Schüssel. Schnell noch die Eintrittskarten (8,40 Euro ermäßigter Stehplatz) gekauft und rein. Ein SPruchband wurde durch den Fraueneingang geschleust und auch sonst gab es keine Probleme.
Passend zum Anpfiff kamen wir mit unserer 7-Mann starken Besatzung plus Unterstützung aus dem ostfriesischen München im Gästeblock an, hissten die Banner und Fahnen und hofften auf einen Sieg der TuS!

Der TSV war aber klar die bessere Mannschaft und die TuS verdankte es nur David Yelldell, teilweise auch der Abwehr und dem Unvermögen der Münchner, dass kein Gegentor hingenommen werden musste. Im Gästeblock selbst waren laut offiziellen Angaben stolze 66 Koblenzer. Erbärmlich, aber nicht vorwurfsvoll gemeint. Was will man an einem Mittwoch Nachmittag im 500km entfernten München erwarten?
Wir hatten uns aber schon auf der Hinfahrt zusammengerissen und waren uns einig, dass wir trotzdem versuchen würden die Mannschaft nach vorne zu treiben. War man in Rostock akustisch unterlegen, so war man in München wahrscheinlich nicht mal existent. Unsere Gesänge und Rufe kamen aus maximal 10 Kehlen, so dass man sich denken kann, wie unsere Unterstützung aussah. Vorwerfen können wir uns nichts, wir haben alles versucht, aber es war einfach nicht mehr machbar. Die TuS kann sich das allerdings nicht auf die Fahnen schreiben. “Alles gegeben” haben sie nicht oder wir haben echt ein Problem, wenn das “alles” war!

Es ging mit einem glücklichen 0:0 in die Pause, aber es war klar, dass man hier eigentlich nicht gewinnen konnte. Zu Beginn der zweiten Hälfte wurde ein Spruchband mit dem Schriftzug “Gästefans sind Mangelware – Stadionbesuche statt Arbeitstage” präsentiert, um still gegen die Spielansetzung an diesem Mittwoch zu protestieren!

In der zweiten Hälfte das gleiche Bild, 1860 überlegen, aber bis zur 70.Minute hielt aber das Remis. Erst dann schoss 1860 das entscheidende 1:0 und die TuS war damit geschlagen. Njazi Kuqi, der wie immer um jeden Ball kämpfte, setzte eine verunglückte Flanke zwar noch auf die Latte des Münchner Tores, aber für wirkliche Gefahr konnten weder Dominik Mader, der zu seinem ersten Profieinsatz kam, noch der wiedergenesene Tayfun Pektürk sorgen.
So ging ein richtig schlechtes Spiel der TuS mit einer Niederlage zu Ende und einzig David Yelldell konnte eine gute Leistung zeigen.

Wirklich interessant wurde der Tag allerdings dann erst nach dem Spiel. Wir entschieden uns anstatt über die A3 über Ulm und Stuttgart nach Koblenz zu fahren. Ein verhängnisvoller Fehler, wie sich nach etwa einer Stunde herausstellte. Nachdem wir etwa 100km im stockenden Verkehr und Baustellen festhingen begann es zu schneien. Eigentlich nichts Dramatisches, allerdings hatte unser Mietwagen Sommerreifen aufgezogen, so dass nach wenigen Minuten die Straße nicht mehr befahrbar war. Wir entschieden uns also zur Sicherheit einen Rasthof anzusteuern und abzuwarten, was das Wetter bringen würde. Es brachte Schnee, Schnee und nochmals Schnee. Wir konnten mit unseren Sommerreifen auf dem Rasthof kaum rangieren, geschweige denn problemlos den Rasthof wieder verlassen.
So wurden kurzerhand Schneemänner gebaut, um sich die Zeit zu vertreiben. Die Situation besserte sich nicht und so entschloss man sich die Nacht auf dem Rasthof zu verbringen. Sicherheit geht eben vor! Dummerweise kam uns dann ein Schwertransport in die Quere, der bei diesem Wetter nicht mehr weiterfahren durfte und sich nun auf dem Rasthof breit machte. Wären wir nicht weitergefahren, hätten wir also warten müssen, bis der Schwertransport den Rasthof verlassen hätte und das hätte nach Aussagen der Fahrer auch erst am Donnerstag Abend sein können.
Murphy’s Law schlug also mal wieder richtig zu! Nun gut, so musste man wider Willen den Rastplatz verlassen. Die Straße war gestreut und geräumt, aber mulmig war uns dann doch etwas. Man konnte aber fahren, so schlichen wir mit 60km/h über die Straße in Richtung Heimat … ja, das hatten wir vor. 1,5km später war das Vorhaben dann gescheitert. Wir standen im Stau .. in einem 10km-Stau! Wir war das noch mal mit Murphy’s Law?

Es war mittlerweile nach Mitternacht und wir waren gerade mal 100km von München entfernt. So standen wir dann an einem Berg, es begann immer mehr zu schneien und ich als Fahrer freute mich schon darauf mit dem Automatikgetriebe mit Sommerreifen an diesem glitschigen Berg anfahren zu dürfen. Weltklasse, ich konnte mir nichts Schöneres vorstellen.
Nach gefühlten 3 Stunden waren wir dann endlich aus dem Winter heraus, hatten ohne zu übertreiben Schneemassen hinter uns gelassen und waren froh, dass es nur noch regnete. Das aber nicht zu knapp. Nachdem man ein Besatzungsmitglied in seiner aktuellen Zwangsheimat abgesetzt hatte, machte man sich auf die A61 und düste nach Koblenz, wo man um exakt 6:00 Uhr auf dem Oberwerth ankam.

Man verabschiedete sich und ich brachte das Mietauto zurück zur Abgabestelle. So ging für mich ein unfassbar anstrengender Tag um 6:30 Uhr bei einem wunderschönen Frühstück und einem Feierabendbier zu Ende. Wie das Spiel war wusste ich zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr .. lag der Abpfiff doch schon mehr als 11 Stunden zurück.

An diesem Tag haben wir alles gegeben, nicht nur im Stadion, sondern auch auf dem Rückweg. Es wäre schön, wenn die Mannschaft sich endlich mal an der Ehre gegriffen fühlen und Duisburg am morgigen Sonntag aus der Festung Oberwerth kämpfen würde, denn der Einsatz der Mannschaft in München hat unsere Tour eigentlich nicht gerechtfertigt. Es wäre schön, wenn man in Zukunft wieder gerne auswärts fahren würde, mit der Sicherheit, dass unsere Elf sich für uns den Arsch aufreißt!

Als Fazit bleibt an diesem Tag nur eins: Koblenz ist doch immer noch am schönsten!

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[...] Hoffnung schwindet, dass wir, die wahren Herzen des Fußballsports, gehört werden. Bereits beim Spiel in München am vergangenen Mittwoch war zu sehen, was eine Spielansetzung an einem Arbeitstag um 17:30 Uhr an [...]

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