Über Freundschaftsschals und Spaßgesellschaften
Am Sonntag kommt mal wieder der 1.FSV Mainz 05 auf das Oberwerth. Im letzten Jahr trennte man sich am Karnevalssonntag mit 1:1 und alle waren zufrieden. Schließlich waren die Mainzer als Favorit eingestuft und außerdem sind sie ja auch ein sympathischer Haufen. Lasst uns alle den entsprechenden Freundschaftsschal im TuS-Shop kaufen.
Ein Blick zurück ..
Ich selbst bin beim Aufstieg der Mainzer in die Bundesliga drei Tage in Folge vor dem Rathaus gewesen und habe mit, damals in Mainz ansässigen, Freunden “gefeiert”. Ich jetzt eher uns selbst, als den Aufstieg, aber das ist ja eigentlich auch egal.
Mainz als Verein, der die Massen anspricht. Ein “Spaßverein”, der sich selbst gerne auch als Karnevalsverein darstellt. Selbst beim Abstieg aus der Premiumliga in den tristen Zweitligaalltag war die Trauer nur von kurzer Dauer. Da wurde lieber einfach wieder gefeiert. Warum sollte man sich auch von einem Rückschlag die Lust am Feiern nehmen lassen? Immer ein Lächeln aufsetzen und weiter geht es.
Natürlich nicht bei allen. Tränen, Enttschäuschung und Frust gehören überall zum Programm eines sportlichen Abstiegs.
Aber ein beachtlicher Teil der Mainzer Spaßgesellschaft hatte sich schnell wieder gefangen, ihre Mitglieder wurden von den Medien als “beste Fans Deutschlands” bezeichnet und eigentlich war es doch alles gar nicht so schlimm.
Die Verantwortlichen des Mainzer Vereins haben das geschickt gemacht. Durch sehr gutes Marketing und mit der Hilfe der polarisierenden Personalie Jürgen Klopp gelang es den Machern ein Produkt in der Landeshauptstadt zu installieren, welches regen Zulauf hat, welches den Anhängern (oder sollte man sagen Konsumenten?) suggeriert, dass es nur um Spaß geht. Alles in Butter oder Friede, Freude, Eierkuchen.
In Koblenz gibt es ein solches Produkt zum Glück noch nicht, wobei ich fast darauf wetten würde, dass unser Geschäftsführer nichts dagegen hätte, wenn es so wäre.
Ich persönlich bin sehr froh, dass dem nicht so ist. Zum Fußball gehören auch Zeiten, in denen man einfach mal die negativen Emotionen rauslässt. Es ist faktisch nicht immer alles so wie es sein sollte. Und wenn etwas schief läuft, dann muss man dieser Tatsache ins Auge sehen und nicht blind weiter nach Dingen suchen, über die man sich freuen, die man am besten noch feiern kann!
Ich will damit nicht sagen, dass man als Pessimist durch die Gegend rennen oder nich auch mal den blau-schwarzen-Blick verwenden sollte. Absolut nicht. Aber ich habe das Gefühl, dass das Vorbild Mainz in vielen Koblenzer Köpfen das Ziel darstellt, wie es in Koblenz sein sollte.
Und das finde ich erschreckend.
Die TuS Koblenz trifft am kommenden Sonntag auf den 1.FSV Mainz 05 und steckt bis zum Hals in der Scheiße. Nein, wir stecken nicht in Problemen. Wir stecken richtig in der Scheiße!
Probleme gibt es immer, aber wir sind aktuell absolut verdient Vorletzter und könnten am Sonntag auf den 18 Platz abrutschen. Mich kotzt es an. Ich bin wütend auf große Teile der Mannschaft, weil sie sich nicht den Allerwertesten aufreißt. Sollte man absteigen, dann mit wehenden Fahnen, mit Stolz und Ehre!
In Koblenz ist es aber so, dass die Anhänger lieber feiern würden. Feiern macht halt viel mehr Spaß als Leiden. Klar, das ist überall so, aber wen interessiert überall? Mich interessiert Koblenz!
So kommt es dann, dass ich doch tatsächlich ein Gespräch mit anhören musste, in dem den Mainzern sogar ein Sieg gegönnt wurde, sofern es ihnen denn hilft vor dem 1.FC Kaiserslautern zu bleiben. Ja sagt mal, wo sind wir denn hier?
Nur weil in Oberligazeiten einige wenige Mainzer und Koblenzer sich kennenlernten, Bekanntschaft machten und Freundschaften schlossen, heißt das doch nicht, dass wir nun den Mainzern hörig sein müssen. Klopp ist Vergangenheit und schwallt nun die Dortmunder Reporter zu. Mainz ist ein Verein wie jeder andere Verein in der zweiten Liga auch, nicht besser als Fürth, Frankfurt oder Augsburg.
Nehmen wir das Beispiel Augsburg. Ich behaupte, dass dort mehr Bekanntschaften zwischen Fans und Fangruppen existieren, als im Falle Mainz und Koblenz.
Gibt es einen TuS-FCA-Freundschaftsschal für die breite Masse? Nein! Und warum? Weil die potentiellen Käufer von diesen Bekanntschaften nichts mitbekommen, weil sie schlichtweg nicht so tief in der Koblenzer Anhängerschaft verwurzelt sind, wie sie es sein müssten, um sagen zu können “Es herrscht eine Fanfreundschaft zwischen Koblenz und Augsburg!”.
Und genau das können sie auch nicht im Bezug auf Mainz und Koblenz sagen. Einzelne Bekanntschaften gibt es, aber eine “Fanfreundschaft”. Sorry Jungs. Lebt mal in der Realität.
Sind die Freundschaftsschaltager nun schlechtere Fans oder wie man das auch immer bezeichnen mag? Nein, jeder sollte die Intensität seiner Anhängerschaft selbst wählen, allerdings sollte man sich darüber Gedanken machen, zu welchem Verein man denn eigentlich steht.
Steigt Koblenz ab und Mainz auf .. ist man dann plötzlich Mainz-Anhänger und Koblenz-Symphatisant? Den Schal hat man ja schon!
Da würde ich mir wünschen, dass man sich mal Gedanken macht und vielleicht beim nächsten Mal den entsprechenden Schal im Schrank lässt!
Ich erwarte und fordere von diesen Fans nichts. Die meisten werden den Text hier nicht mal lesen, aber ich würde mich freuen, wenn sich der ein oder andere Gedanken über das Verhältnis zwischen Mainz und Koblenz machen würde.
Die regionale Nähe oder eine eventuelle Anhängerschaft vor dem Aufstieg der TuS Koblenz in Liga 2 kann für mich eigentlich kein Grund sein.
Letztlich wird es aber wiederh heißen: Dieses Spiel muss man einfach sehen. Dieses Derby. Alle Mann hin ins sonst so leere Oberwerth.
Würde Ahlen in dieser schweren Situation am Sonntag auf dem Oberwerth spielen wäre die TuS uninteressant, aber Mainz ist halt Mainz.
Zweite Bundesliga kann jeder!
In diesem Sinne … Forza Nachwuchsteams!
Lang lebe mein Verein, die TuS Koblenz!
Und der Profimannschaft kann ich nur mit auf den Weg geben … knallt die Mainzer mit 3:0 aus der Bude! Wir brauchen jeden verdammten Punkt, um nicht wie Aue in der letzten Saison zu enden!
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Kommentare
// Begin Comments & Trackbacks ?>Sympathie reicht für mich schlichtweg nicht aus, um eine “Freundschaft”, die auf die gesamte Fanszene ausgeweitet wird, zu rechtfertigen.
Dass da irgendwer zu Besuch war ist schön. Augsburger waren auch in München und in Sachen Sympathie sind die Augsburger auch nicht so wirklich abgeschlagen.
Du hast eigentlich schon was sehr Gutes gesagt. Dich interessiert Augsburg einen Scheißdreck. In der Regionalliga hatte man da sehr gute “Kontakte” und das ist noch gar nicht so lang her.
Mich interessiert Mainz zum Beispiel einen Scheißdreck, aber trotzdem gibt es so bescheuerte Schals zu kaufen.
VVon Ultrà hab ich übrigens gar nix geschrieben, weil das ja gar nichts zur Sache tut. Die Kontakte nach Augsburg sind ja auch nur “minimal” und überhaupt nicht auf Gruppen beschränkt oder so. Und wenn ich jetzt wen aus Emden kenne, wer anders aus Buxtehude dann hat man da auch keine Fanfreundschaft.
Nur weil da einige mit Sympathien um sich werfen heißt das doch noch lange nicht, dass man einer Masse von Leuten so einen Kram aufzwingen kann.
“Du musst dir das ja nicht kaufen”, klar muss ich das nicht, aber ich persönlich find Mainz net so dolle und finde, dass man als Verein mit solchen Schals zurückhaltender sein sollte. Net mehr, net weniger.
“Ich behaupte, dass dort mehr Bekanntschaften zwischen Fans und Fangruppen existieren, als im Falle Mainz und Koblenz.”
Mit meinem Kommentar wollte ich nur diese Behauptung widerlegen, da aus meiner Sicht gesehen eineutig mehr Bekanntschaften zwischen Mainz und Koblenz exisiteren.
Und die regionale Nähe ist dabei ein wichtiger Faktor, weil sehr viele Koblenzer in Mainz studieren und umgekehrt, was zu Freundschaften und Sympathien fuehrt.
Ich bin Mainz weder hörig, noch will ich am Sonntag 3 Punkte abgeben. Das es Leute gibt die den Mainzern den Sieg gönnen, damit sie vor Lautern bleiben sind die selben Idioten die jubeln das Wehen Lautern geschlagen hat. Das sind keine Koblenz-Fans, sondern Anti-Lautern-Pöbler die sich informieren sollten ob es so etwas wie eine Dauerkarte fuer den Gästeblock in der Kurt-Beck-Arena gibt.
Okay, die zitierte Aussage ist vielleicht so etwas übertrieben. Das seh ich nun auch so und ich kann auch deine Argumentation absolut nachvollziehen, was ja nicht heißen soll, dass wir nun Hand in Hand gehen, was unsere Ansichten betrifft. :)
Mainz als Verein, der die Massen anspricht. Ein “Spaßverein”, der sich selbst gerne auch als Karnevalsverein darstellt. Selbst beim Abstieg aus der Premiumliga in den tristen Zweitligaalltag war die Trauer nur von kurzer Dauer. Da wurde lieber einfach wieder gefeiert. Warum sollte man sich auch von einem Rückschlag die Lust am Feiern nehmen lassen? Immer ein Lächeln aufsetzen und weiter geht es.
Natürlich nicht bei allen. Tränen, Enttschäuschung und Frust gehören überall zum Programm eines sportlichen Abstiegs.
Aber ein beachtlicher Teil der Mainzer Spaßgesellschaft hatte sich schnell wieder gefangen, ihre Mitglieder wurden von den Medien als “beste Fans Deutschlands” bezeichnet und eigentlich war es doch alles gar nicht so schlimm.
Um dieses Verhalten richtig zu Verstehen muss man einfach Mainzer sein. Na klar fanden wir den Abstieg aus Liga 1 bitter. Und na klar hat man sich im Nachhinein noch über liegengelassene Punkte in “diesem oder jenem” Spiel geärgert. Doch war es ja so, das der Abstieg die Mainzer so kalt erwischt hat wie in der letzten 2. Ligasaison den OFC – wo man 33. Spieltage nichts mit dem Abstieg zu tun hatte…
Also konnte man sich schoneinmal emotional darauf einstellen das der “Super-GAU” eintreten kann – und wenn er es dann tut, dann ist das alles irgendwie nicht mehr so schlimm.
Und in jeder “Katastrophe” steckt auch immer eine Chance – eine Chance, es noch besser zu machen, eine Chance, es den Anderen doch noch zu zeigen. Das es in der letzten Saison dann eben doch nicht gereicht hat – eijo das war halt eigenes Pech. Aber der daraus resultierende Weggang von Jürgen Klopp hat die Chance für eine Zäsur gebracht – und diese wurde von Jörn Andersen wahrlich grandios über die Bühne gebracht.
Uns Mainzer deshalb aber als “Spaßverein” abzutun birgt die Gefahr, das man uns Unterschätzt…
Aber das noch andere Menschen die Mainzer nicht richtig verstehen zeigt mein einer Beitrag auf meinem Blog…



Ich kann aus meiner persönlichen Erfahrung sagen, dass zwischen den Fans der TuS und dem FSV eine Fanfreundschaft besteht, da z.B. sehr viele Leute in Mainz die TuS sympathisch finden.
Okay, das reicht vielleicht nicht fuer eine Fanfreundschaft. Aber mehrere Mainzer haben uns zum Auswaertsspiel gegen den FSV begleitet und wollen dies auch in Wiesbaden tun.
Des Weiteren findet man auf Plattformen wie “wer-kennt-wen” oder “studiVZ” Gruppen wie “TuS Koblenz & FSV Mainz 05″ oder “FSV Mainz 05 und TUS Koblenz – die Gruppe einer Fanfreundschaft!” … zu der “Freundschaft” mit dem FCA jedoch kein bisschen was.
Ehrlich gesagt interessiert mich der FCA und viele Leute aus Koblenz nicht im Geringsten. Die koennen von mir aus absteigen und ich wuerde mich nicht weiter daran stoeren. Die sind mir auch viel zu weit weg.
Das da vielleicht Beziehungen zwischen unserer “Ultra-Szene” und ihrer gibt rechtfertigt den Begriff “Fanfreundschaft” kein bisschen. Denn gerade in Koblenz ist die breite Masse Otto-Normal-Fan und kein Ultra.
Ich selbt bin weder in der Ultra-Szene noch habe ich eine Dauerkarte oder bin “tief in der Koblenzer Anhängerschaft verwurzelt.” Dennoch stehe ich bei 10-13 Heimspielen und 2-3 Auswaertsspielen in der Kurve und feure die Mannschaft an. Ich wuerde es auch bei 17 Heimspielen tun, wenn ich nicht ein armer Student waere. :D
Um es also aus der Sicht eines “normalen” Fans auf den Punkte zu bringen: TuS + FSV = Fanfreundschaft.