TuS Koblenz gewinnt Derby gegen Rot-Weiß

Vornerweg muss ich leider schreiben, dass jeder, der nicht da war, sich vielleicht vom Regen hat abschrecken lassen, ein echtes Knallerspiel verpasst hat! Die TuS Koblenz hat gegen den direkten Nachbarn der TuS RW Koblenz mit 4:3 gewonnen und in diesem Spiel war neben den sieben Toren auch sonst alles dabei, was ein Derby ausmacht!

Das Spiel begann furios. Bereits in Minute 5 und quasi mit der ersten Aktion des Spiels gingen die Turn- und Sportfreunde Rot-Weiss Koblenz mit 1:0 in Führung. Nach einem Pass aus dem Mittelfeld in eine Nahtstelle der TuS-Abwehr konnte sich der scheinbar einzige Stürmer der Gäste gegen zwei Abwehrspieler durchsetzen und lupfte den Ball über den herauslaufenden Jan Kramer im TuS-Tor. Das fing ja schon mal nicht so gut an, aber es sollte noch “besser” werden.
Rot-Weiss kam zwei Minuten später wieder in Richtung Heimtor. Der Torschütze wurde von Sebastian Hahn gelbwürdig gefoult (hier verlasse ich mich auf dutzende Meinugen der Leute um mich herum, ich selbst habe da Foul nicht gesehen) und ließ seinen extremen Schmerz aus seinem Mund herausströmen. Ich dachte erst, er hätte sich das Kreuzband gerissen oder den Fuß bzw. das Bein gebrochen. Die Schreie und das Wimmern zeigten eindeutig in diese Richtung. Der Schiedsrichter ließ sich beirren und zückte anstatt der gelben Karte, zu der er erst greifen wollte, glatt rot! Die TuS Koblenz also ab Minute 7 mit einem Mann weniger und dabei ja bereits mit 0:1 hinten.

In der Folge igelte sich der Gast von nebenan in seiner eigenen Hälfte ein und überließ den Blau-Schwarzen fast ohne Gegenwehr das Mittelfeld. Im Rückblick verspielten sie hier eventuell den Sieg, denn gerade in dieser Phase hätten sie den Koblenzer mit ihrer zu Beginn gezeigten Aggressivität und Motivation den Schneid abkaufen können.
Die Mannschaft von Colin Bell kam aber nicht wirklich zu Großchancen und so verging die Zeit eher ungenutzt. Da der Schiedsrichter auch in der Folge eher “unglücklich” blieb (wenngleich wohl in beide Richtungen) regten sich der Koblenzer Kapitän Eike Mund und Colin Bell an der Seitenlinie immer wieder über Entscheidungen des Mannes in gelb auf. Nach einer Balleroberung durch Dogan Cevik (?) im Mittelfeld entschied der Schiedsrichter auf Freistoß für RW Koblenz, was das Fass an der Seitenlinie zum Überlaufen brachte. Colin Bell, wie man ihn kennt (und ich zumindest mag), beschwerte sich und der Schiri verwies ihn des Platzes (26.). Die TuS also bereits mit zwei Platzverweisen nach nicht mal einer halben Stunde. Derbytime!

Die Gäste konnten aber spielerisch nicht mit der TuS mithalten und so war das 1:1 in Minute 35. letztlich absolut verdient und überfällig. Nach einem Angriff über die linke Seite kam der Ball zu Timo Schlabach, der den Ball relativ unbedrängt aus 5 Metern ins linke untere Eck schießen konnte.
Rot-Weiss war direkt nach dem Ausgleich aber wieder erwacht und Jan Kramer im Koblenzer Tor musste direkt nach dem Wiederanpfiff einen Aufsetzer aus 18 Metern abwehren, was er auch sehr gut tat. Die nachfolgende Ecke brachte keine Torgefahr.
Letztlich spielte aber nur die TuS und drückte noch vor dem Halbzeitpfiff auf das Führungstor. Nach einem Freistoß von der rechten Seite, flog der Ball lang in Richtung langer Pfosten, wo ein Koblenzer Kopfball aus kurzer Distanz den Gästetormann kurz in Bedrängnis brachte. Kurz darauf verpasste Tobias Bauer eine 100%ige Chance, als er völlig allein vor dem Tormann stehend aus 6 Metern den Ball am linken Pfosten vorbeischob.
So ging es mit einem, durchaus glücklichen, 1:1 Unendschieden für die Gäste in die Kabinen. Also erstmal ‘ne Wurst gekauft und den Akku aufgeladen.

Nach dem Seitenwechsel ging es dann direkt los. Nach nur wenigen Sekunden war plötzlich Jan Hawel vor dem Rot-Weiss-Kasten, konnte von den Abwehrspielern nicht vom Ball getrennt werden und stocherte den Ball letztlich im Sitzen aus 1,5 Metern Torentfernung über die Linie. Ein Wahnsinns-Tor, das wohl keiner so wirklich beschreiben kann. Wie der Ball da reingehen konnte weiß ich nicht, ist mir aber auch letztlich egal. 2:1 für die TuS Koblenz!
Aber Rot-Weiss, mit seinem durchaus gefährlichen Mittelstürmer, schien mir immer für ein Tor gut zu sein und so sollte es dann auch kommen. Zwei Sekunden vorher sagte ich noch zu meinem Nachbarn “die machen gleich noch ein Tor” .. und da kam die Flanke von der linken Seite und Jan Kramer konnte sich in der Luft nicht gegen den 11er der Gäste durchsetzen, der den Ball per Kopf ins kurze Eck drückte (58.).
Schon jetzt waren die Anwesenden gealtert, aber das Spiel befand sich erst in der Aufwärmphase.

Wiederum nur einige Minuten später erhielt die TuS Koblenz einen Freistoß auf der rechten Angriffsseite, der von Tobias Bauer in die Mitte gebracht wurde. Vergleichbar mit dem Eigentor des Fürthers Fürstner am vergangenen Freitag lenkte ein Rot-Weisser den Ball gekonnt ins eigene Netz und die TuS war wieder in Front (62.). Aber wirklich sicher durfte man sich nicht fühlen, war Rot-Weiss doch zuvor auch nochmal zurückgekommen. Und so gingen das Scheibenschießen weiter. In Minute 64 schoss ein Spieler der Gäste als halbrechter Position flach auf den Koblenzer Kasten, Jan Kramer konnte den Ball nur abklatschen lassen, und der Trumpf der Gäste mit der Nummer 11 machte sein bereits drittes Tor in dieser Partie und damit den erneuten Ausgleich zum 3:3.

Nun erreichte die Nachricht vom 0:0 Unendschieden der Metternicher in Eich die Zuschauer auf dem Jahnplatz und so war das Verlangen nach einem Sieg noch größer, als zuvor. Würde die TuS bei einem Sieg doch wieder bis auf zwei Punkte an die Germania herankommen, bei noch zwei Nachholspielen!

Und es wurde dramatisch. In der 87.Minute fischte der Gästetorwart eine Eck scheinbar gekonnt aus der Luft, ließ den Ball allerdings fallen, so dass er von einem TuS-Akteur vom 16er nochmals hoch vor das Tor gebracht werden konnte. Dort setzte sich Eike Mund zwei Meter vor dem Tor im Kopfballduell durch und ein Rot-Weiss-Spieler rettete den Ball auf der Linie mit der Hand. Stimmt das? War es die Hand? Der Schiedsrichter pfiff nicht und ich würde vom Gefühl her auch sagen, dass es kein Handspiel war. Die Emotionen kochten hoch, die Personen außerhalb des Platzes hätten den Schiedsrichter am liebsten in den Boden getrampelt und auch auf dem Platz haderten die TuS-Spieler mit der Entscheidung.

Nach einer Verletzungsunterbrechung eines Gastes und deren nachträglicher Auswechslung, sowie den bislang vier Toren in der Halbzeit gab der Schiedsrichter noch vier Minuten auf die reguläre Spielzeit drauf. War das genug? Schafft die TuS noch den Siegtreffer?
Kurz und knapp: 91.Minute. Freistoß TuS Koblenz, halbrechts etwas 25 Meter. Eike Mund bringt den Ball in die Mitte, kein Spieler ob rot oder blau kommt an den Ball und er trudelt ins lange Eck. Evangelos Nessos-Gedächtnistor zum 4:3 Heimsieg! EINFACH NUR GEIL!

Rot-Weiss war zwar nochmal alles nach vorne, aber die TuS brachte die Führung über die restlichen drei Minuten Nachspielzeit und gewinnt nach 87minütiger Unterzahl gegen den Lokalkonkurrenten mit 4:3 nach frühem Rückstand!

Wow, wow, wow!

Wer diskutieren oder irgendwas loswerden will, dem sei die Spieltagsdiskussion ans Herz gelegt!
Mein Puls ist mittlerweile wieder auf einem Normalwert angelangt, aber so Spiele sind es, die Spaß machen. Scheiß auf Nieselregen. Es lebe der Amateurfußball.

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Kommentare

[...] dem knappen Derbysieg gegen Rot-Weiß Koblenz ging es gestern Abend direkt weiter in Sachen Bezirksliga Mitte. Gegner im Nachholspiel des [...]

[...] die Latte drosch. 1:0 für die Gäste und das nicht unverdient. Die TuS war also nach dem Derby gegen Rot-Weiss erneut auf dem Jahnplatz in Rückstand geraten und musste nachlegen. Die TuS Koblenz II war [...]

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