Mario Blinn: Lokalpatriotismus als Triebfeder
Heute gibt es mal wieder ein kleines oder weniger kleines Interview hier auf schaengelland.de zu lesen. Mein erstes Interview führte ich mit Mario Blinn, dem Vorsitzenden des Jugendfördervereins. Nun, gut zwei Jahre später gibt es eine Neuauflage dieses Interviews mit, wie ich finde, einer Reihe von interessanten Fragen und Antworten.
Im Voraus aber kurz etwas zur Person Mario Blinn.
Mario ist seit der vergangenen Jahreshauptversammlung Mitglied des neu geschaffenen Verwaltungsrats der TuS Koblenz. Desweiteren ist er als erster Vorsitzender jederzeit Antreiber des Jugendfördervereins. Beruflich ist er im Vorstand der Seniorenpalace AG, die unter anderem die Seniorenresidenz Moseltal hier in Koblenz und die Seniorenresidenz Deisenhofen in München-Oberhaching betreibt. Das ist insofern interessant, als dass er mitverantwortlich für die Sponsorentätigkeit eben dieser beiden Seniorenresidenzen bei der TuS Koblenz ist.
In diesem Interview gibt Mario Blinn einige interessante Einsichten in die Hintergründe des langfristigen Sponsorings bei der TuS Koblenz, spricht aber auch über die Entwicklungen im Koblenzer Umfeld und antwortet auf die Frage nach den Zielen, die er im kommenden Jahr gerne bei der TuS Koblenz erreichen würde.
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und danke Mario für die raschen und sehr authentischen Antworten und sein Engagement bei der TuS Koblenz.
Hallo Mario, in der letzten Zeit waren einige positive Entwicklungen rund um den Nachwuchs der TuS Koblenz mit deinem Namen verbunden. Was treibt dich an, dich für die TuS Koblenz zu engagieren?
Hallo Benni! Zu viel der Ehre! Es gibt in den vergangen Wochen, wie ich finde, sehr viele positive Entwicklungen bei TuS Koblenz, vom Profibereich bis hin zur Jugend! Diese Entwicklungen sind das Ergebnis der Zusammenarbeit vieler Personen und Gremien, und ich freue mich, meinen Anteil daran leisten zu können. Was mich antreibt? Lokalpatriotismus für die Stadt, in der ich geboren wurde und in der meine Familie und ich gerne leben, ist sicherlich eine ganz entscheidende Triebfeder! Und natürlich der feste Glaube daran, das man mit harter Arbeit etwas erreichen und mit seinem Wirken ein kleines bisschen dazu beitragen kann, etwas “Bleibendes” und “Sinnhaftes” zu hinterlassen. Und als leitender Angestellter eines Sozialunternehmens auch eine gewisse gesellschaftliche und soziale Verantwortung (ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu pathetisch!?).
Die Seniorenresidenz Moseltal ist in der Saison 2010/2011 Trikotsponsor der TuS Koblenz U23, die in der Rheinlandliga spielt. Was hat euch als Unternehmen dazu bewegt die U23 zu unterstützen?
Wir sind ja im Nachwuchsbereich der TuS in den vergangenen Jahren kein unbeschriebenes Blatt! Seit mehreren Jahren beheimaten wir die Jugendgeschäftsstelle und den Jugendförderverein und engagieren uns aus dieser Verbindung heraus immer wieder für den Nachwuchs. Natürlich bekommen wir wirklich sehr oft die Frage gestellt, was denn ein Unternehmen der Gesundheitsbranche mit dem Schwerpunkt “Senioren” mit der Jugendförderung zu tun habe und was wir uns davon versprechen.
Allein die Tatsache, dass uns diese Frage gestellt wird, zeigt doch, das über uns gesprochen wird und man sich mit unserem Unternehmen beschäftigt! Damit habe ich doch schon ein zentrales Ziel erreicht, denn letztlich genau das will Werbung ja erreichen – Bekanntheit.
Das wir dabei etwas Nachhaltiges mit Sinn machen, rechtfertigt für uns den Einsatz dieser Mittel absolut! Mit dem Gegenwert von nur ein paar Annoncen erreichen wir viel mehr dauerhafte Präsenz, und der Erfolg unserer Einrichtung bestärkt uns in unserer Bewertung! Dieses Jahr war halt einfach einmal die U23 dran, nachdem in den vergangenen Jahren der Fokus auf anderen Jugendmannschaften gelegen hatte. Auch hier bin ich mir ziemlich sicher, dass ein Seniorenresidenz-Logo auf der Brust wegen seiner Ungewöhnlichkeit sicher auffallen wird. Flankiert wird unser Engagemant bei der TuS noch durch die Stellung der Betreuung unserer Fans mit Handicap, die auch bei Wind und Wetter die Spiele unserer Ersten unterstützen! Für uns ist das in unternehmerischer Hinsicht eine absolut runde Sache!
Neben dem Trikotsponsoring bekam die TuS Koblenz U23 auch die Gelegenheit ein Trainingslager in Deisenhofen zu beziehen. Und das kostenlos! Erzähl uns doch, wie es dazu kam, was sich die Seniorenresidenz Deisenhofen, die als Sponsor auftrat, davon erhofft und wie zufrieden ihr mit dem Ergebnis dieser Aktion seid.
Im Februar haben wir die Schwestereinrichtung der Seniorenresidenz Moseltal in Oberhaching eröffnet. Im Gegensatz zu einem Hotel oder einer Wohnanlage rechnet man bei Einrichtungen wie der unseren mit einer Belegungszeit von 12 Monaten; so war schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt des Jahres klar, dass wir genügend räumliche Kapazitäten haben werden, um ein solches Trainingslager durchführen zu können. Da alle Zimmer hotelähnlich ausgestattet sind, eignete sich die Seniorenresidenz Deisenhofen dafür hervorragend, zumal wir mit dem FC Deisenhofen, den wir vor Ort auch unterstützen, hervorragende Trainingskapazitäten vereinbaren konnten, die uns letztlich kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden. Konny Kreuzberg unterstützte uns mit Lebensmitteln, so das wir mit einem wirklich geringen monitären Aufwand ein tolles Trainingslager auf die Beine stellen konnten – das erste, das die Zwote jemals machte.
Die Seniorenresidenz Deisenhofen erfuhr viel Belebung, unsere Bewohner hatten somit eine tolle Abwechslung, und auch im Ort wurde natürlich durch die Präsenz der Mannschaft der Fokus auf unser Haus gelegt, was unseren Bekanntheitsgrad enorm steigerte.
Die Mannschaft wuchs in diesen wenigen Tagen toll zusammen und repräsentierte sowohl unseren Verein, aber auch uns als Sponsor, ganz hervorragend! Ich glaube, den Jungs hat es richtig gut gefallen, da bestimmt der ein oder andere bei dem Wort “Seniorenresidenz” zunächst die gängigen Klischees im Kopf hatte, damit konnten wir aufräumen, was für sich genommen schon ein Erfolg ist!
Jetzt freuen wir uns in Deisenhofen auf den Besuch der Ersten, die anlässlich Ihres Auswärtsspiels gegen Unterhaching Quartier bei uns beziehen wird, das schont die klammen Kassen! Danach werden wir zumindest dort am Standort so etwas nicht wieder anbieten können, da dieser letzte unbelegte Bereich zum 01. Oktober eröffnet wird und die Seniorenresidenz Deisenhofen plangerecht zum Januar voll ausgelastet sein wird.
Was würdest du gerne in den nächsten 12 Monaten mit der TuS Koblenz zusammen erreichen?
Ich beantworte das mal in den verschiedenen Funktionen:
- Als Vorsitzender des Jugendfördervereins möchte ich dazu beitragen, unser freiwilliges Nachwuchsleitungszentrum wirtschaftlich zu erhalten, die Strukturen zu verbessern und mir beim Einschlagen des letzten Dachnagels unseres neuen Umkleidehäschens kurz vor Ende der Saison keinen blauen Daumen zu holen.
- Als Verwaltungsratsmitglied möchte ich den eingeschlagenen Weg der TuS weiter mitgehen, um in Koblenz und in Deutschland die TuS wieder zu dem zu machen, was Sie zu Beginn des Profifußballs war: eine sympathische authentische Mannschaft, die man gerne spielen sieht und die überall willkommen ist, frei von Quärelen und Skandalen. Am letzten Spieltag würde ich mich gerne schrecklich betrinken, weil wir es mit einem Kleinstetat geschafft haben, die Klasse zu halten! Ich möchte dazu beitragen, dass Entscheidungen kommuniziert werden und das Vereinshandeln für die Fans und Mitglieder transparenter wird.
- Als Sponsor der U23 möchte ich mich natürlich auch nochmals betrinken, wobei auch hier das Ziel ganz klar der Klassenerhalt sein muss. Je früher ich da zum Glas greifen kann, desto lieber wäre es mir. :-)
Hälst du die gesteckten Ziel für realistisch erreichbar?
Absolut, da ich gerne meine Ziele so wähle, dass sie auch erreichbar sind!
Seit einiger Zeit gibt es auch eine TuS Koblenz Stiftung. Wie beurteilst du diese Möglichkeit der Unterstützung des Jugendbereichs der TuS Koblenz? Es wurde im Vorfeld viel von einer “Konkurrenz” zum Jugendförderverein gesprochen. Wie siehst du das?
Jede Art und Weise, die TuS zu unterstützen, ist mir absolut willkommen! Die Stiftung ist weder eine Konkurrenz, nicht einmal ein Mitbewerber, da die Acquise eines vollkommen anderen Unterstützerklientels angesprochen werden soll. Konkurrenzgedanken wären hier vollkommen deplatziert! Ich wünsche der Stiftung den bestmöglichen Erfolg, kommt das Ergebnis letztlich der TuS zu Gute und das ist alles, was zählt! Die Kommunikation zwischen den Institutionen ist gegeben, so dass man sich in den Bemühungen um Unterstützer nicht gegenseitig torpediert.
Und auch die organisierten Fans haben im letzten Jahr eine eigene Institution gegründet. Den Dachverband. Wie bewertest du die Arbeit des Dachverbands in seinem ersten Jahr?
Das Kind ist sehr schnell erwachsen geworden! Im Ernst, der DKF hat für mich persönlich innerhalb kürzester Zeit einen unglaublichen Reifeprozess hingelegt, wurde von einer Faninitiative zu einer tragenden Säule im Vereinsleben, die auch außerhalb des Vereins Engagement zeigt und das, ohne die Gründungsideale zu korrumpieren und seine Fähigkeit zur kritischen Betrachtung von Vorgängen zu verlieren. Toll finde ich auch die Kooperationsbereitschaft zu anderen Institutionen, wovon auch der Jugendförderverein bereits profitiert hat.
Du bist Vorsitzender des Jugendfördervereins, Verwaltungsratsmitglied und gleichzeitig über die Seniorenpalace AG Sponsor der TuS Koblenz. Gibt es manchmal Situationen, die Entscheidungskonflikte erzeugen, denen du lieber aus dem Weg gehen würdest?
Ganz klar nein! In allen drei Funktionen habe ich sehr konkrete Vorstellungen, die natürlich mit einem Blick über das “große Ganze” gepaart sein müssen. Es wäre ja Blödsinn, in der einen Funktion Dinge zu fordern, die man in anderer Funktion nicht vertreten könnte. Wäre das der Fall, würde ich meine Konsequenzen daraus ziehen und eine der Funktionen aufgeben.
Nenne uns drei Punkte, warum man sich als ortsansässiges Unternehmen bei der TuS Koblenz engagieren sollte und wer ist da der richtige Ansprechpartner?
Gefahr laufend, mich zu wiederholen:
- Lokalpatriotismus
- soziale Verantwortung
- Generierung eines Mehrwerts für das Unternehmen
Der richtige Ansprechpartner vor Ort ist Marco Herzmann, der seit einigen Wochen die Geschicke des marketings mit sehr viel Engagement neu ordnet, was eine wirklich spannende Aufgabe ist, die nicht unbedingt der Vergnügungssteuer unterliegt! Da ist in der Vergangenheit viel Erde verbrannt worden, und den preisgegebenen Boden zurück zu erobern, ist wahrlich nicht einfach. Natürlich ist auch jeder Funktionsträger gerne ansprechbar und vermittelt die notwendigen Kontakte!
Ein paar freie Worte zum Schluss?
Da bin ich auch nicht kreativer als andere: Auch von mir die üblichen Dankesworte, die aber absolut ernst gemeint sind! Danke an meine Frau Petra, die auch nach der dritten oder vierten TuS-Veranstaltung oder Sitzung hintereinander mich immer noch abends in unsere Wohnung lässt und mir ein Lächeln schenkt!
Ich danke für die Beantwortung der Fragen.
Wer mehr über die Seniorenresidenz Moseltal oder ihre Schwestereinrichtung in Deisenhofen erfahren möchte, der kann sich auf der Internetseite der Seniorenpalace AG bzw. den einzelnen Residenzseiten bestens informieren.
Weitere Informationen und Links
- Informationen zum TuS Koblenz Jugendförderverein
- Informationen zur TuS Koblenz Stiftung
- Informationen zum Dachverband Koblenzer Fanclubs
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