Ich habe am Mittwoch den Zwangsabstieg bekannt gegeben. Große Wellen hat dieser Artikel ausgelöst, sogar die RheinZeitung hat den Artikel verlinkt. Offiziell es ist letztlich immer noch nicht.
Der Präsident der TuS Koblenz hat in einem Interview gesagt, dass die TuS versuchen will quasi durch die Hintertür die Lizenz für die 3.Liga doch noch zu erreichen.

Wir haben uns daher entschlossen, beim DFB einen stark „abgespeckten“ Etat einzureichen und haben den DFB in diesem Zusammenhang auf die besondere Situation der TuS Koblenz hingewiesen. Jetzt bleibt es abzuwarten, ob der DFB die Lizenz doch noch erteilt.

Ich persönlich halte nichts von diesem Vorgehen, da ich – und da bin ich nicht alleine – der festen Überzeugung bin, dass es für die TuS Koblenz nur einen einzigen Weg geben kann die Situation einigermaßen zu überstehen .. und der heißt “alle Übel auf den Tisch legen, den Abstieg in Kauf nehmen und in Zusammenarbeit mit engagierten Fans, Mitgliedern und den Fan-Institutionen einen grundlegenden Neuanfang im Verein in Angriff nehmen”.

Desweiteren bringt es uns in der aktuellen Situaton wahrlich nichts nach Schuldigen zu suchen. Natürlich muss man sie ausfindig machen und das wird auch auf irgendeine Weise und zu irgendeiner Zeit geschehen, aber es bringt der TuS Koblenz bzw. ihren Anhängern aktuell nichts irgendwelche Leute auf Basis von gefährlichem Halbwissen wild anzuprangern. Für die einen ist es der Mittelrhein-Verlag bzw. Walterpeter Twer, andere sehen den Oberbürgermeister oder generell die Stadt als Hauptschuldigen, Wolfgang Loos ist ein Kandidat und auch Prof.Dr. Werner Hecker bekommt sein Fett weg.
Was auch immer man zu wissen denkt und egal wie wahr es ist, für uns Anhänger muss der Blick in eine ganz andere Richtung gehen. Nicht zurück, sondern nach vorne! Denn die Zukunft gehört uns!

Ich habe es im Artikel vom Mittwoch bereits spontan geschrieben. Sollten wir in die Oberliga, Verbandsliga, Kreisklasse gehen erhalten wir dort die einzigartige Chance alles besser zu machen! Denn eines hat der TuS Koblenz in den letzten Jahren wahrlich gefehlt: eine Struktur.
Vieles ging zu schnell, noch viel mehr wurde wie Stückwerk angegangen und oftmals nur angefangen, aber nicht beendet. Ideen wurden fallen gelassen, Wünsche ignoriert, Projekte nur teilweise umgesetzt.

Wir hätten die Möglichkeit uns an der Basis für eine bessere, fannähere und dadurch transparentere und folgerichtig attraktivere TuS Koblenz einzusetzen.
Anbei ein paar Stichpunkte:

  • Verzicht auf unnötige Mitarbeiter (ja, ich weiß das klingt hart, aber so ist das nun mal!), Schließung Fanshop, Verkleinerung Geschäftsstelle auf ein Minimum, Reduzierung der Gehälter
  • Übergabe von Verantwortungsbereichen an Arbeitsgruppen, die aus TuS-Mitgliedern bestehen. Die Mitglieder arbeiten vollkommen ehrenamtlich, d.h. dass sie höchstens mal ein Bier, aber keine Freikarten oder Ähnliches bekommen! Mir ist dabei wichtig, dass ehrenamtlich auch ehrenamtlich heißt und nicht “ehrenamtlich, aber dafür bekomme ich eine Park- und Dauerkarte”!

    Beispiele für solche Arbeitsgruppen wären

    • Stadionzeitung, Stichworte: interessant, informativ, bebildert, Kleinsponsoren, jährlicher Saisonrückblick
    • Merchandising, Kreation und Verkauf (online und im Stadion), Stichworte: Qualität vor Quantität, zu Beginn nur Basics, Meinungen vorab einholen, Termintreue!, Service
    • Kartenvorverkauf, Stichworte: wie bisher zusätzlich zur GS über den DKF, vor allem Heimtickets, kein externer Online-Dienstleister mehr

    Die Vorteile liegen auf der Hand. Die TuS Koblenz erspart sich enorme Kosten für festangestellte Mitarbeiter oder externe Dienstleister und arbeitet transparent mit ihren Mitgliedern zusammen. Das erhöht die Identifikation mit dem eigenen Verein und schafft ein Gefühl des “Gebraucht werdens” bei den Mitgliedern, was wiederum das Gefühl der Zugehörigkeit verstärkt.

  • Bessere Vernetzung der Faninstitutionen mit dem Verein. Anstatt nebeneinander zu existieren, sollte die Kommunikation zwischen dem Verein, der TuS Koblenz Stiftung, dem Jugendförderverein, sowie dem Dachverband Koblenzer Fanclubs verbessert bzw. überhaupt eingeführt werden.
    Durch intensivere Abstimmung und Zusammenarbeit wäre es wahrscheinlich vor allem im Jugendbereich möglich noch gezieltere Entlastung für den Hauptverein zu erreichen.
  • Einführung regelmäßiger Vereinsveranstaltungen. So sollte das Saisoneröffnungsfest fester Bestandteil jeder Saison sein. Der DKF-Hallenkick könnte von der TuS übernommen oder zumindest unter deren Schirmherrschaft gestellt werden, um das Event enger an den Verein heranzuziehen. Hier gibt es kaum Grenzen. So wäre eine Teilnahme an Dreck-Weg-Tagen oder ein gemeinsames Osterwandern o.Ä. denkbar, um die TuS wieder näher an die Koblenzer heranzubringen und den Mitgliedern die Möglichkeit zu geben ein Vereinsleben aufzubauen.
  • Ablegen der Arroganz! Die Zeit des Arguments “wir sind die TuS” ist vorbei!

Das sind nur ein paar relativ spontane Ideen, die mir in der Nacht zum Freitag eingefallen sind. Da ist nichts großartig Durchgeplantes dabei und die Liste erhebt auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, Realisierbarkeit oder Sinnhaftigkeit.
Es sind eben Denkanstöße.

Konnte ich es am Mittwoch noch gar nicht fassen, was uns da vielleicht passieren wird – wobei ich vorher eigentlich genau damit gerechnet habe – sehe ich den Abstieg nun, wie gerade ausgeführt, als große Chance an aus der TuS endlich die TuS zu machen, die man sich als Mitglied wünscht.
Ich wünsche mir nämlich einen Verein, der u.A. folgenden Kriterien entspricht

  • der Verein hält sich an bestehende Regeln und Gesetze
  • der Verein lebt nicht über seine Verhältnisse, sondern lässt sich jederzeit etwas Spielraum
  • die Mitglieder wissen immer über die wichtigen Dinge Bescheid bzw. es ist leicht an diese Informationen zu gelangen
  • Mitglieder haben die Möglichkeit sich aktiv am Verein zu beteiligen
  • ehrenamtliche Arbeit von Mitgliedern wird entsprechend gewürdigt

All diese Punkte könnten nach der ein oder anderen Überarbeitung durch meine obige Liste erreicht werden.

Der sportliche Erfolg ist natürlich ein wichtiger Faktor, kann aber gerade in der ersten Phase des Neuanfangs nicht die höchste Priorität haben. Die Zeit des Profifußballs in Koblenz ist vorerst vorbei und das muss man schnell verstehen, um sich nicht die Möglichkeit zu verbauen mittel- oder langfristig wieder Profifußball in Koblenz sehen zu können.
Denn wir wissen doch mittlerweile alle, dass ein Spiel gegen Mönchengladbach, Karlsruhe oder auch Fortuna Düsseldorf weitaus interessanter und sehenswerter ist als ein Kick gegen Wirges oder Waldalgesheim ohne den beiden letzteren jetzt auf die Füße treten zu wollen.
Will man aber zu viel auf einmal und das auch noch zu schnell, dann wird man es niemals mehr bekommen!

Natürlich wird es schwer, wahrscheinlich sogar sehr schwer, aber genau da liegt doch der Reiz. Wir sollten es angehen und zwar live vor Ort und nicht in den bekannten Fanforen. Das ist mittlerweile ausgelutscht. Es ist klar, dass zu Beginn eine Menge enttäuschter TuS-Fans noch im Internet versuchen werden Stimmung in die eine oder andere Richtung zu machen. Da muss der real engagierte TuS-Fan nun einfach drüber stehen und es aushalten.
Es wird hart werden, denn die Leute werden mit Fingern auf uns Zeigen und uns – nicht zu unrecht – auslachen. Stark müssen wir bleiben, aber auch so fair, dass man nicht patzig reagiert und es dadurch noch schlimmer macht. Zusammenhalt und Vereinstreue. Darauf wird in den nächsten Wochen, Monaten, vielleicht Jahren ankommen. Gehen wir es an!

Nachtrag:
Natürlich muss ich dazu sagen, dass ich wahrlich kein Experte im Umgang mit Insolvenzverfahren von Wirtschaftsunternehmen und/oder Vereinen bin. Ich weiß nicht, welche Gefahr dem Verein TuS Koblenz droht, sollte die TuS Koblenz GmbH von einem Insolvenzverwalter aufgesucht werden. Das ist übrigens mein alleiniges Problem von mir, ich habe das Gefühl, dass das niemand so wirklich weiß. Stichwort Informationspolitik. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die TuS Koblenz die Möglichkeit erhält irgendwo im Amateurfußball neu anzufangen!

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